Ökonomischer Missbrauch – Warum finanzielle Abhängigkeit für Mütter gefährlich werden kann

Wenn Mutterschaft plötzlich finanzielle Abhängigkeit bedeutet

In erster Linie möchte man natürlich nur das Beste für sein Kind. Was viele Frauen allerdings erst später merken: Man lernt den Partner in der Elternschaft noch einmal ganz neu kennen. Gerade wenn es um Verantwortung, Organisation und Geld geht, reichen Liebe und gute Absichten manchmal nicht aus.

Oft sind es die kleinen Eigenheiten, die früher kaum aufgefallen sind und später plötzlich zu echten Problemen werden.

Viele Frauen sagen nach einer Trennung rückblickend einen Satz, den man erstaunlich oft hört:
„Eigentlich hatte ich damals schon ein komisches Bauchgefühl.“

Doch in diesem Moment ist Gehen oft besonders schwer. Hoffnung ist ein starkes Gefühl. Man glaubt, dass sich Dinge noch einspielen werden, dass sich der Partner verändert oder dass man die Situation gemeinsam lösen kann.

Manchmal bedeutet das allerdings auch, lange auszuhalten.

Die ersten kleinen Anzeichen

Ihr entscheidet euch für ein Kind und du wirst schwanger. Plötzlich verändert sich vieles. Vielleicht brauchst du Medikamente, Nahrungsergänzungsmittel oder bestimmte Pflegeprodukte, die deinem Körper guttun.

Früher hast du solche Dinge selbstverständlich aus deinem eigenen Geld bezahlt.

Doch wie läuft das jetzt?

Habt ihr darüber gesprochen, wer diese Kosten übernimmt? Oder fühlt es sich plötzlich unangenehm an, solche Themen anzusprechen?

Spätestens wenn der Nestbautrieb einsetzt, wird Geld ohnehin ein Thema. Babybett, Kleidung, Kinderwagen, Ausstattung – all das kostet Geld.

Doch wichtiger als die Frage, wer was bezahlt, ist eigentlich etwas anderes:
Wie reagiert dein Partner, wenn du über Geld sprichst?

Ist das Gespräch entspannt?
Oder spürst du ein leichtes Unbehagen?

Solche Bauchgefühle sollte man ernst nehmen. Wenn Geldgespräche schon in dieser Phase schwierig sind, wird es später meistens nicht einfacher. Und ein Alarmsignal ist defnitiv wenn er sagt, „Mach dir keine Gedanken, ich kümmere mich“ und du keine Einblicke in sein Konto hast. Das ist keine Partnerschaft auf Augenhöhe. Oder du bekommst ein Taschengeld und darfst es dann auch nur für bestimmte Sachen ausgeben

Was ökonomischer Missbrauch eigentlich bedeutet

Der Begriff ökonomischer Missbrauch beschreibt eine Form von Kontrolle über Geld und finanzielle Ressourcen. Dabei geht es nicht immer um offensichtliche Verbote oder extreme Situationen. Häufig beginnt es sehr subtil.

Zum Beispiel wenn:

  • eine Person über größere Ausgaben allein entscheidet

  • der andere kaum eigenes Geld zur Verfügung hat

  • finanzielle Entscheidungen nicht gemeinsam getroffen werden

  • jemand regelmäßig daran erinnert wird, dass er „kein eigenes Geld verdient“

Es geht dabei nicht nur um Geld selbst. Es geht um Möglichkeiten. Wer eigenes Geld hat, hat auch mehr Freiheit: Entscheidungen zu treffen, Grenzen zu setzen oder im Notfall gehen zu können.

Fehlt diese Möglichkeit, entsteht schnell eine Abhängigkeit.

Meine eigene Erfahrung mit finanzieller Abhängigkeit

Bei uns war die Situation etwas anders, aber das mulmige Gefühl kann ich trotzdem gut nachvollziehen.

Wir haben uns bewusst dafür entschieden, unsere Kinder kindergartenfrei aufwachsen zu lassen. Nicht fremdbetreuungsfrei, aber ohne klassischen Kindergartenalltag. Dadurch war klar, dass einer von uns mehr Zeit zu Hause verbringen würde.

Da mein Mann in seinem Beruf deutlich mehr verdient und zusätzlich einen Dienstwagen hat, war diese Aufteilung für uns logisch.

Gleichzeitig haben wir versucht, uns finanziell abzusichern. Wir haben geheiratet, Lebensversicherungen abgeschlossen und ich stehe zu fünfzig Prozent im Grundbuch unseres Hauses. Und ich mache unsere gemeinsame Steuererklärung und sehe dabei alle Kontoauszüge.

Das gibt eine gewisse Sicherheit.

Trotzdem bleibt ein mulmiges Gefühl, wenn man finanziell nicht vollständig unabhängig ist.

Warum eigenes Geld für viele Mütter plötzlich so wichtig wird

Als unser zweites Kind etwa zwei Jahre alt war, habe ich mich deshalb selbstständig gemacht.

Mir ist klar geworden, dass ich nicht mehr in einer klassischen Agentur arbeiten wollte. Deadlines, permanenter Zeitdruck und starre Arbeitszeiten lassen sich nur schwer mit einem Familienalltag vereinbaren.

Die Selbstständigkeit fühlte sich freier an. Gleichzeitig habe ich gemerkt, dass Geld im Familienalltag manchmal eine ganz eigene Dynamik entwickelt.

Ich neige zum Beispiel dazu, Geld relativ schnell wieder auszugeben – meistens für Dinge rund um die Kinder. Kleidung, Aktivitäten, kleine Anschaffungen hier und da.

Während eine Person also laufend Geld in den Familienalltag investiert, kann es passieren, dass die andere Person gleichzeitig ein finanzielles Polster aufbaut.

Nicht unbedingt aus böser Absicht.
Aber weil unterschiedliche Rollen auch unterschiedliche Möglichkeiten schaffen.

Good to know:
Finanzielle Abhängigkeit entsteht oft schleichend

Die meisten Frauen geraten nicht bewusst in finanzielle Abhängigkeit. Es passiert Schritt für Schritt. Ein Jahr Elternzeit. Vielleicht noch ein weiteres. Dann ein Teilzeitjob. Und plötzlich merkt man, dass das eigene Einkommen fast verschwunden ist. Das ist kein persönliches Versagen. Es ist ein strukturelles Problem, das viele Familien betrifft.

Kleine schlaue Raupe, die etwas erklärt

Deine Hausaufgabe

Stelle dir einmal ehrlich diese Fragen:

  • Habe ich eigenes Geld zur Verfügung?

  • Treffe ich finanzielle Entscheidungen gleichberechtigt?

  • Könnte ich im Notfall finanziell für mich sorgen?

  • Traue ich mich mit meinem Partner über diese Themen zu sprechen?

Diese Fragen sollen keine Angst machen. Sie sollen Klarheit schaffen.

Denn finanzielle Selbstbestimmung ist für Mütter sehr wichtig. Solltest du diese Fragen mit Nein, beantworten, dann suche dir möglichst schnell und unauffällig unabhängige Beratungshilfe. Es muss nicht direkt ein Anwalt sein

Hier findest du Hilfe oder Weiterbildungen

Wenn du beim Lesen gemerkt hast, dass dich vieles daran erinnert, muss das nicht bedeuten, dass du sofort alles hinschmeißen oder heute noch eine riesige Entscheidung treffen musst.

Aber es darf ein Moment sein, in dem du ehrlich wirst.

Schreibe dir auf, wie eure finanzielle Situation gerade wirklich aussieht. Welche Konten gibt es? Wer hat Zugriff? Welche Fixkosten laufen? Was gehört euch gemeinsam, was nicht? Welche Verträge, Versicherungen oder Schulden gibt es? Oft wird einem erst auf Papier klar, wie abhängig man tatsächlich geworden ist.

Ebenso wichtig ist: Sprich mit einer neutralen Person. Nicht unbedingt zuerst mit dem Partner, wenn du dich dabei klein, unsicher oder unter Druck gesetzt fühlst. Eine Frauenberatungsstelle, das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ oder eine Vertrauensperson können helfen, das einzuordnen. Das Hilfetelefon ist bundesweit kostenlos, anonym und rund um die Uhr unter 116 016 erreichbar; dort gibt es auch Online-Beratung.

Wenn du das Gefühl hast, dass Geld in deiner Beziehung als Machtmittel benutzt wird, darfst du das ernst nehmen. Du musst nicht erst „genug leiden“, bevor du Hilfe holen darfst.

Wenn du einfach vorbereitet sein möchtest, empfehle ich dir einmal ein Buch, bevor du heiratest* und einmal ein Buch, um dir finanzielles Wissen* anzueignen, beide von Frauen und für Frauen geschrieben.

Ich kann dir auch noch diese kostenfreie Podcast-Folge empfehlen: #58 Finanzielle Gewalt in der Beziehung: So schützt du dich – mit Finanzexpertin Dani Parthum

Ich freue mich, über deine Erfahrung in den 👇 Kommentaren 👇

Ich freue mich auf deine Meinung. Tüdelüü in pink. Kindergarten

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Nicky stellt sich vor Selfie

Ich bin eine selbstständige, verheiratete Zweifachmama.

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